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DOK Premiere: Blacktape

Rückblick auf die »DOK Premiere« im Dezember 2015

Der Dokumentarfilm zur Geschichte des deutschen Hip-Hop beeindruckte ein diesmal eher jüngeres Publikum und scheint seine Zielgruppe zu aktivieren. Nach der Vorführung gab Rapper und Regisseur Sékou Neblett (Ex-Freundeskreis) und sein Produzent Reza Bahar (Gifted Films) ausführlich Auskunft über die Produktion. Für Sékou Neblett war es nach dem Studium an der Merz-Akademie in Stuttgart und einigen Musikvideos der erste lange Film. »Blacktape« wurde mit dem Produzenten sowie dem Autor Gregor Eisenbeiß über mehrere Jahre entwickelt, um keine langweilige, schulmäßige Belehrung zu liefern, sondern sich dem Hip-Hop angemessen zu nähern.

Im Film wird deutlich, dass es verschiedene Lager beim Hip-Hop gibt, die sich eigentlich überhaupt nicht verstehen. Trotzdem ist es dem Regisseur aufgrund seiner Kontakte gelungen, die verschiedenen Seiten zusammenzubringen, wobei es schon auch einige Absagen gab. In der Diskussion wurde deutlich, dass diese Musikrichtung eine Macho-Kultur ist, die von Männern dominiert wird. Sie bauen ein bestimmtes Image auf, an dem nicht gekratzt werden darf. Frauen spielen - bis auf wenige Ausnahmen - weder im Hip-Hop noch im Film eine Rolle.
Insgesamt kam rund 140 Stunden Material zusammen, an dem sich mehrere Cutter abarbeiten mussten. Gedreht wurde mit zwei Canon EOS 5D Spiegelreflexkameras und zwei Go Pro Aktionskameras. Sékou Neblett erklärte den Aufwand mit vier Kameras damit, dass sie bestimmte Situationen mit seinen beiden Hauptprotagonisten Marcus Staiger und Falk Schacht gleich beim ersten Mal aufnehmen und nicht wiederholen wollten. Dies habe für authentische Momente gesorgt, selbst wenn deren Suche nach Tigon natürlich vorgeplant gewesen sei. Bewusst sei eine Mischform zwischen Dokumentarfilm und Scripted Reality gewählt worden, um dem Hip-Hop als Teil der Populärkultur nahe zu kommen.

Sékou Neblett war es wichtig, den Einfluss des Hip-Hop deutlich zu machen. Er kennt die Szene bestens. Die Entwicklung, dass sich die Bands zunehmend trauten, ihre Texte auf Deutsch zu singen, hält er für einen zentralen Aspekt. Wie erfolgreich Hip-Hop damit war, sieht man heute an den deutschen Charts. Neben den großen Unterhaltungskonzernen gibt es kleine, engagierte Labels, die sich um die Vermarktung der Gruppen kümmern.
Die Finanzierung des Projektes war nicht einfach, da es sich um ein ungewöhnliches Format in Deutschland handelt, wie Reza Bahar bestätigte. Er erläuterte auch die Zusammenarbeit mit Marcus Staiger, der im Film sehr provokant auftritt und unberechenbar erscheint. Im Vorfeld habe es schon Konflikte gegeben, aber beim Dreh sei er sehr zuverlässig gewesen. Für den Regisseur und Produzent war es nach der Diskussion eine Überraschung, dass die Mutter und die Schwester von Marcus Staiger, der in Kornwestheim aufgewachsen ist, auf sie zukamen. Sie fanden, er käme sehr authentisch rüber und so sei er schon immer gewesen. Sie gratulierten zum gelungenen Film.

Für Sékou Neblett brachte die ausführliche Kinotour durch ganz Deutschland die Erkenntnis, dass es eine Welt außerhalb der Hip-Hop-Szene gibt, in der er sich bewegt. Er traf sogar Zuschauer, die von Hip-Hop überhaupt keine Ahnung hatten. Umgekehrt ist es für sie ein Ausflug in eine andere Welt.

(Kay Hoffmann)