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DOK Premiere: Das Kongo Tribunal

Auf großes Interesse stieß der Dokumentarfilm „Das Kongo Tribunal“ von Milo Rau, der im Moment einer der gefragtesten Theaterregisseure in Deutschland ist. Mit seinem multimedialen Ansatz hat er jedoch schon öfter auch Filme gedreht. „Das Kongo Tribunal“ bezeichnet er allerdings als sein wichtigstes Film- und Theaterprojekt: „In dem Film sind alle meine Interessen, aber auch alle meine Formate versammelt, die mich in den letzten 15 Jahren umgetrieben haben. Es handelt sich um ein theatrales Tribunal, bei dem aber alles echt ist: vom Minenarbeiter über den Rebellen und zynischen Minister bis zum Anwalt aus Den Haag spielen sämtliche Teilnehmer nichts anderes als sich selbst.“

Für den Filmproduzenten Arne Birkenstock, der auch selbst als Regisseur sehr erfolgreich ist, war es die zweite Zusammenarbeit mit Rau nach „Die Moskauer Prozesse“ (2014), der ebenfalls schon als multimediales Projekt angelegt war, wie er in Ludwigsburg erläuterte. Zunächst war geplant, sich vor allem auf die Berliner Inszenierung des Tribunals zu konzentrieren. Nach einer Recherchereise, bei dem das Team von Milo Rau kurz nach einem Massaker in Mutarule in der Nähe der Stadt Bukavu mit den Leichen von über 30 Frauen und Kindern konfrontiert wurden, änderte sich das Konzept des Films mit einem deutlichen Schwerpunkt des Tribunals in Bukavu. Weil im Kongo bereits seit über 20 Jahren gekämpft wird, mit mehr als 6 Millionen Toten, allerdings bisher niemand dafür zur Rechenschaft, hatte Rau die Idee eines Tribunals. Da er alle beteiligten Seiten dazu eingeladen hatte, konnte das Tribunal stattfinden. Es offenbarte Fehler der Regierung – zwei Minister traten danach zurück – ebenso wie die Rolle der UN und internationaler Konzerne, die günstig an die raren Bodenschätze im Kongo gelangen wollen, die für moderne Geräte wie Smartphone und Computer wichtig sind. Der Bevölkerung wurden zahlreiche Versprechungen gemacht, die nicht gehalten wurden.

Arne Birkenstock berichtete von sehr bewegenden Filmvorführungen im Kongo, wo inzwischen einige versuchen, Tribunale auf lokaler Ebene durchzuführen, um Massaker und Vertreibungen aufzuklären. In Deutschland war eine Kinotour an großen Theatern in verschiedenen Städten außerordentlich erfolgreich mit ausverkauften Vorstellungen. Auch beim DOK Fest Leipzig war das Interesse immens und selbst im großen Cinestar-Kino reichten die 800 Plätze nicht. In Leipzig waren bei DOK Neuland auch sowohl das Videogame als auch die Virtual Reality Installation, sowie das Archiv und das Buch von Milo Rau zu sehen. Birkenstock bezeichnete es als Glücksfall, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer dort alle Aspekte des Projektes nutzen konnten und sie sich gegenseitig befruchteten. Von ihnen sei ein ausgesprochen positives Feedback gekommen, das ihm gezeigt habe, dass sich diese verschiedenen Facetten wirklich so gut ergänzen, wie sie es sich erhofft hatten. Diese zusätzlichen Projekte seien separat mit verschiedenen Partnern finanziert worden. Ihm und Milo Rau sei es wichtig, dies Thema in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Damit sind sie auf jeden Fall erfolgreich.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Team das Gesamtprojekt „Das Kongo Tribunal“ bei DOKVILLE in Ludwigsburg als Work in Progress vorgestellt. Von daher war es spannend, jetzt den fertigen Dokumentarfilm zu sehen.

Kay Hoffmann