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DOK Premiere: Das System Milch

Wieder auf großes Interesse beim Publikum stieß die DOK Premiere „Das System Milch“ von Andreas Pichler. Bekannt wurde er mit seinem Dokumentarfilm „Das Venedig Prinzip“ über die Probleme der Lagunenstadt mit dem Massentourismus. Das Caligari Kino war wieder einmal fast ausverkauft. Der Dokumentarfilm stellt die Aktivitäten der global agierenden Großkonzerne gegenüber den Bemühungen von ökologischen Bauern, auf dem Markt zu bestehen. Dies wird ihnen nicht einfach gemacht.

Milch sah der Südtiroler Regisseur als spannendes Thema, da er sich selbst an seine Jugend erinnerte und schnell erkannte, dass das in der Werbung propagierte Image sogar nicht der Realität entspricht. Dass die Globalisierung allerdings solche Ausmaße angenommen hat und Milch zu einem wichtigen Rohstoff und milliardenschweren Markt wurde, dass hat ihn selbst überrascht. Von vornherein war eher ein Kino- als ein Fernsehfilm geplant und die Bilder entsprechend opulent gestaltet. Eine wichtige Funktion übernimmt die Musik, die manchmal kontrapunktisch eingesetzt wird.

In Deutschland hatte Andreas Pichler Schwierigkeiten, sowohl Großbauern als auch die Milchkonzerne für ein Interview zu gewinnen. Kaum jemand ist bereit, offen über das System Milch zu sprechen. Mehr Erfolg hatte er damit in Dänemark. Der Konzernchef von Arla erläuterte sehr offen seine Perspektiven für einen globalen Markt. Denn durch eine solche Expansion nach Asien oder Afrika lassen sich noch die Umsätze steigern. Lange Zeit hieß es ja, dass die Chinesen Milche gar nicht vertragen können. Aber inzwischen ist es ein Luxusgut mit entsprechend hohen Preisen und einer besonderen Zusammenstellung der Milch. Auch in China gibt es hochindustrialisierte Kuhfarmen in großem Maßstab.

Bei der engagierten Diskussion mit dem Publikum wurde klar, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer selbst schon gut informiert waren und das Thema Milch gerne in einer größeren Perspektive diskutieren wollten. So wurde an die Verantwortung jedes einzelnen Verbrauchers ebenso appelliert wie die Förderpolitik der Europäischen Union kritisiert, die insbesondere große Höfe mit großen Flächen fördere. Einige sahen einen Hoffnungsschimmer, dass die biologisch produzierten Lebensmittel auf dem Vormarsch seien und inzwischen sogar bei Discountern angeboten würden. Dies zeige, dass es eine Nachfrage von den Verbrauchern gebe und die Lebensmittel-Ketten darauf reagierten.

Als nächstes Projekt will er sich dem Thema Alkohol als Gesellschaftsdroge annehmen.

(Kay Hoffmann)