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DOK Premiere: Dürrenmatt

Rückblick auf die »DOK Premiere« im November 2015

Auf großes Interesse stieß der Schweizer Dokumentarfilm »Dürrenmatt – Eine Liebesgeschichte«. Nach der Vorführung stellte sich die Züricher Regisseurin den Fragen von Kay Hoffmann (HDF) und dem Publikum. Es wurde deutlich, dass sich die meisten schon intensiv mit Dürrenmatt beschäftigt hatten. Für Gisiger ist es der zweite Film über Dürrenmatt nach der Fernsehproduktion »Dürrenmatt – im Labyrinth«, bei der sie seine Biografie anhand von Archivmaterial erzählte. Dabei fiel ihr auf, dass Dürrenmatt in den 80 Stunden Archivmaterial wenig Persönliches erzählt. Deswegen hat sie sich für den Kinofilm auf eine neue Spurensuche begeben auch in den Hörfunk-Archiven und anderen Quellen für O-Töne. Zusammen mit den Interviews mit der Familie Dürrenmatt, seiner 91jährigen Schwester und seinen Kindern gelingt ihr ein sehr persönliches Porträt des Schriftstellers. Dabei hat sie sich im Schnitt viel Freiheit genommen und ihr Ziel war, die Materialien aus unterschiedlichen Quellen so aufzubereiten, dass es wie aus einem Guss erscheint.

Vater von Sabine Gisiger ging in dieselbe Schulklasse wie Dürrenmatt und war mit ihm befreundet. Deswegen kam er immer mal wieder zu Besuch und bekam richtige Fleischberge vorgesetzt, die er verspeiste. Später lernte sie ihn über seine Werke lieben und schätzen. Diese Vertrautheit ist in dem Film zu spüren. Ihr gelingt eine spannende Rekonstruktion der Familie und arbeitet die Bedeutung seiner Frau Lotti für sein Schaffen heraus. Nach ihr wurde nie gefragt und Dürrenmatt hat sie auch nie ins Rampenlicht gestellt. Ihren Einfluss auf den Autor, sein Werk und ihre Bedeutung für den Zusammenhalt der Familie wollte die Regisseurin deutlich machen. Schon früh begann Dürrenmatt zu malen und zeichnen, sah sich in diesem Feld allerdings mehr als Amateur. Viele seiner Gemälde sind in einem Museum in seinem Haus in Neuchâtel ausgestellt. Gisiger hat sich einen Namen gemacht als Regisseurin von Dokumentarfilmen wie »Yaloms Anleitung zum Glücklichsein« (2014), »Guru: Bagwan, his Secretary & his Bodyguard« (2010) und »Do it« (2000). 2007 wurde sie in Ludwigsburg für »Gambit – 30 Jahre nach Seveso« mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet.

(Kay Hoffmann)

Fotos: Szenen aus »Dürrenmatt – Eine Liebesgeschichte« © DCM