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DOK Premiere: Happy

Rückblick auf die »DOK Premiere« im März 2017

Als Teil der offiziellen Kinotour kam Caroline Genreith mit ihrem Film „Happy“ zur DOK Premiere nach Ludwigsburg, der im Caligari Kino wieder auf großes Interesse stieß. Es ist ein sehr persönlicher Film, da es um ihren Vater geht und das Unverständnis der Tochter, dass er eine Geliebte aus Thailand hat, die fast in ihrem Alter ist. Die verbalen Duelle zwischen den beiden machen den Reiz dieses humorvollen Films aus. Zur guten Stimmung trägt die Musik bei, die sich an nostalgischer Popmusik der 1970/80er Jahre orientiert und zentrale Themen des Films aufgreift. Ihr Vater sei sehr schnell bereit gewesen, bei dem Film mitzuspielen. Denn es war für beide die Chance einer Wiederannäherung, da man sich in den vergangenen Jahren doch etwas auseinandergelebt hatte – er in der Eifel, sie in Hamburg.

Da Caroline Genreith ziemlich oft vor der Kamera agiert, musste sie als Regisseurin ein Stück weit die Kontrolle an ihren Kameramann Philipp Baben von der Erde und ihr kleines Team abgeben. Dies fiel umso leichter, als sie mit ihnen zusammen schon ihre letzten Filme gedreht hat wie „Die mit dem Bauch tanzen“ (2013) über ihre Mutter und „Das Golddorf“ (2015) über Flüchtlinge, die es nach Bayern verschlagen hat. Von daher war ein großes Vertrauensverhältnis gegeben. Bei allen Vorurteilen und der Kritik an ihrem Vater, entwickelt sie im Laufe des Films doch ein Stück weit Verständnis für seine Positionen, obwohl sie immer noch nicht einverstanden ist mit seiner Entscheidung. Denn ihr Vater ist dann doch nicht der übliche Sextourist, sondern er lernt mit großem Eifer die Sprache und interessiert sich für die Kultur und das Land. Er setzt sich damit auseinander und reist so oft es geht dort hin. „Tatsächlich waren sein Bemühen und die Ernsthaftigkeit, die da mitschwingt, dieser Ehrgeiz, eigentlich das, was mich überzeugt hat, dass das vielleicht tatsächlich ein Filmthema sein könnte und, dass das was Ernstes ist“, wie die Regisseurin in einem WDR-Interview erläuterte.

Einen deutlichen Stimmungswechsel im Film markiert ihre gemeinsame Reise nach Thailand, wo sie mit der Familie von Tukta zusammen leben und die Hochzeit der Beiden vorbereiten. Dies macht noch einmal das Interesse des Vaters an diesem Land deutlich. Er macht sich keine Illusionen, dass es der Familie in erster Linie um eine materielle Absicherung geht. Wegen seiner Unterstützung muss Tukta nicht in weit entfernten Großstädten arbeiten, sondern kann im Dorf bei ihrer Familie bleiben und sich um ihren 12jährigen Sohn kümmern. Doch das angebotene Grundstück direkt neben dem Elternhaus schlägt er zunächst aus, da dies eine zu große Nähe bedeuten würde. Nach der Hochzeit fliegt er zurück in die Eifel und es bleibt zunächst bei den regelmäßigen Telefonaten, in den er Tukta versucht, deutsch bei zu bringen. Der Film endet etwas melancholisch, da der Vater wieder einsam in der Eifel sitzt. In der Realität ist Tukta vergangenen Herbst nach Deutschland gekommen und lebt auf dem Hof in der Eifel. Ihre Beziehung muss sich im Alltag bewähren und sie müssen sich darüber klar werden, wo sie in Zukunft leben wollen.

(Kay Hoffmann)