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Band 26: Robert Gardners »Forest of Bliss«

Norbert M. Schmitz, Sudanne Gupta

Robert Gardner »Forest of Bliss«
Dokumentarfilm als visuelle Poesie


Band 26 der Reihe Close Up
UVK Verlag, Konstanz 2012
228 Seiten, broschiert
24,00 €
ISBN 978-3-86764-409-9

In der vom Haus des Dokumentarfilms und dem Verlag UVK herausgegebenen Buchreihe »Close up« ist als Band 26 nun »Robert Gardners Forest of Bliss« erschienen. Wie kaum ein zweiter Regisseur hat Gardner das Dokumentarische mit einer poetischen Formensprache verbunden. Die beiden Filmwissenschaftler Norbert M. Schmitz und Susanne Gupta stellen das Oeuvre des nordamerikanischen Regisseurs vor. Besonders interessant: Ein aktuelles Interview mit ihm gibt viele selbstreflektierende Einsichten in die »visuelle Poesie« dieses Künstlers.

Wie kaum ein zweiter Regisseur hat der nordamerikanische Regisseur Robert Gardner mit ethnografischen Filmen wie »Dead Birds« (1964) und »Forest of Bliss« (1986) das Dokumentarische mit einer poetischen Formensprache verbunden. Dies trug ihm vehemente Kritik unter Anthropologen vor allem in den USA ein. Der ›Fall Gardner‹ wurde zum Brennpunkt der Debatten um die Möglichkeiten des ethnographischen Films und seiner Wissenschaftlichkeit überhaupt.

Close up 26Die freie Autorin und Filmwisenschaftlerin Susanne Gupta und der Kieler Filmprofessor Norbert M. Schmitz deuten »Forest of Bliss« und Gardners Gesamtwerk erstmals systematisch als das eines Künstlers, ohne den Blick auf das Dokumentarische zu verlieren. Ihr gemeinsames Buch entstand im Rahmen eines Forschungsprojektes der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Gardners Oeuvre ist wegweisend für eine Dokumentarfilmästhetik jenseits der alten Gegenüberstellungen von Objektivität und Selbstreflexivität und eröffnet eine neue ›Poetik des Wirklichen‹. Mit dem Meisterwerk »Forest of Bliss« über das Leben und Sterben in der heiligen Stadt der Hindus Benares radikalisierte er das Konzept einer humanistisch begründeten Verbindung künstlerischer Subjektivität mit einer sensiblen Beobachtung anderer Kulturen. Der Film ist ein filmisches Gedicht (cine-poem) und zugleich eine subtile Reflexion des Fremden einer mythologischen Welt. Neben der Einordnung dieses Films in kulturgeschichtliche und philosophische Debatten und einer sehr genauen Analyse verschiedenen Motivdetails liefert der Band ein umfassendes Filmprotokoll.

Der Band ist mit zahlreichen farbigen Fotos illustriert, um die kunstvolle Bildgestaltung Robert Gardners vor Augen zu führen. Ein aktuelles Interview mit dem Regisseur zeigt ihn gleichermaßen als Experimental- wie Dokumentarfilmer.

(Kay Hoffmann)